„Geh Hiazn ihr scheiß Dinger jetz geht’s hoit do umi bittschen!“, schimpfte sie und versuchte die mähenden weißen Wölkchen in Richtung Märchenland Kärnten zu bugsieren, doch sie schienen lieber damit beschäftigt zu sein, das zu machen, was die Wetterfee nicht wollte.
„Nageh, bitte, Mutter Natur bringt mi um, wenn i des net zambring!“, jammerte Holle und schnäuzte sich in ihr langes weißes nachthemdähnliches Kleid.
Aus ihrem Rücken wuchsen kleine weiße Flügelchen und sie erhob sich taumelnd. Tränen standen der Wetterfee im Gesicht, als sie nach links abdrehen wollte um zu ihrem nächsten Fall zu fliegen, doch sie übersah, dass sie sich mitten in einer Kreuzung befand – zur Rushhour. Die Ampel schaltete auf Grün und eine große Windböe brachte Holle aus dem Gleichgewicht. Mit einem markerschütternden Schrei viel sie aus allen Wolken und gen Erdboden, der hart und fest immer näher rückte.


Um das ganze etwas tragisch zu gestalten besuchen wir während Wetterfee Holle fällt (is’ ein ganz schön langer Weg den sie zurückzulegen hat) die liebe Rapunzel in ihrem Turm.
Sie wischte gerade wieder Staub (eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen, nun ja, eigentlich, ihre einzige Beschäftigung in dem engen Türmchen) und sang fröhlich ein selbst komponiertes Liedchen vor sich hin.
„Ich bekämpf das Staubkooooorn, besieg die Milbeee, verscheuche den Schimmel und dann ist alles saubeeeer. Dada lalalala du da dubi dam dam …“
Plötzlich hörte sie von draußen zwei piepsige Stimmen und sie hörte zu singen auf. Rapunzel ging zu ihrem kleinen Fensterchen und versuchte jemanden in der Dämmerung zu erkennen, die mittlerweile das Märchenland daran erinnerte, schlafen zu geh’n.
„Prahahaha Ficker!“, sagte Dumm zu Doof.
„Muhahahahaha selber Ficker, du Spast!“, sagte Doof zu Dumm.
„Äh, äh“, Dumm kratzte sich kurz am Kopf. Nach einer Weile entschloss er sich, kreativ zu kontern: „Fick deine Mama!“
Beide verfielen in wahnsinniges Gelächter.
Rapunzel kannte die beiden Unruhestifter bereits und wusste sie zu verscheuchen.
„Hey ihr da!“, rief sie ihnen zu. „Da drüben hab ich ne blonde vollbusige Nutte gesehen, die ziemlich hilflos aussieht.“
„Echt? Geil!“, riefen Dumm und Doof im Chor und rannten los.
„War’n das schon wieder die B00ns?“, fragte der Teppich (oh ja, der Teppich, kein Tippfehler!).
„Naja, ja. Die sind so einfältig … keine Ablenkung mehr für mich.“, seufzte Rapunzel betrübt und schubste ein Staubkorn von der Fensterbank.
„Ach, irgendwann kommt schon dein Prinz und holt dich aus diesem Gefängnis hier.“, versuchte der Teppich seine Zimmergenossin aufzumuntern.
„Meinst du wirklich? Ich sitze hier jetzt schon mehr als zwei Jahrzehnte fest und niemand war bisher gekommen und hat mich befreit, seitdem uns meine Mutter hier eingesperrt hat.“
Plötzlich hörte man von draußen einen dumpfen Schlag. Rapunzel stürmte zum Fenster sah im Halbdunkel eine am Boden liegende Person, die sich nicht mehr rührte.
„Oh Schreck, da muss was passiert sein.“, sagte Rapunzel und drehte sich zu ihrem Teppich um. „Aber ich kann nicht helfen, was soll ich nun tun?“
Die Person die so plötzlich vor dem Turm gelegen hatte stöhnte nun und rieb sich den Kopf.
„Hallo?“, rief die frustrierte Alleinlebende mit einem Zauberteppich als einzigen Besitz. „Geht es dir gut?“
„Schrei net so, mir brummt der Schädel!“, raunzte Wetterfee Holle und stand langsam auf.
„Du solltest dich lieber hinlegen, was ist denn eigentlich passiert?“
„I – i hob den scheiß Flugverkehr durt obn net beochtet. Owa de Windböe do de hot garantiert die Lichter net eingschoitn kob, des könnt i schwörn!“, schimpfte sie nun, stand langsam auf und klopfte sich den Staub vom Kleidchen.
„Wer bist du? Du redest ziemlich wirr, ganz sicher, dass es dir gut geht?“, wollte sich Rapunzel vergewissern. Ihr Zauberteppich flatterte erhaben etwas hinter ihr, um den Besuch besser sehen zu können.
„Jojo, ois okay. Aso jo, i bin die Wetterfee Holle, und du bist?“
Holle trat näher zum Türmchen.
„Ich bin Rapunzel, sehr erfreut. Und das ist so ziemlich mein einziger Gesprächspartner, Zauberteppich, aber ich habe ihm den Spitznamen Hardi gegeben.“
„Rere“, grüßte auch der Teppich und winkte mit einer seiner Kordeln.
Holle gähnte herzhaft und streckte sich, wobei sie sich zu ihrer vollen Größe aufrichtete. Sie spähte kurz durch das enge Fensterchen des Türmchens
(es war nicht sehr hoch gelegen) in dessen Inneres und konnte ein großes bequemes Bett erkennen.
„Hey, schlofst du do allanig drinn?“
Rapunzel drehte sich flüchtig um. „Äh ja, denk schon. Wieso?“
„Njo, wal i glaub i hob mi do echt a bissl weh toan wie i vom Himml gfoin bin und des Bett do schaut recht gmiatlich aus. Ob i mi do vielleicht einilegn kennt?“, fragte Holle bemüht rücksichtsvoll.
„Ich würde dir wirklich gern meine zweite Betthälfte anbieten, aber leider bin ich hier eingesperrt und niemand kann rein oder raus.“, erklärte Rapunzel etwas kleinlaut.
„Ageh, echt?“
„Mhm.“
Holle ging langsam um das Türmchen herum, bis Rapunzel ihre Stimme vor der großen schweren Holztür hören konnte, die als einziger Ausgang nach draußen führte. „De is zuagsperrt?“, fragte sie ungläubig und zerrte am Türgriff. „Ahjo, echt … is jo ooooooooorg!“
„Tja, ich hätte es auch lieber, wenn sie offen wäre, glaube mir …“, seufzte Rapunzel erneut.
Einige Sekunden war es still, in denen nur Zauberteppich Hardis unverständliches Gemurmel hörbar war. Dann ertönte wieder Holles Stimme.
„Oha. Wos is denn des?“, fragte sie.
Man konnte hören, wie sie ein paar Schritte ging. „Mei is des a liabs Froscherl! Is des so a Ding, wos mochne Menschn im Goatn stehn hom damits wos z’gleichschaut?“
„Äh, meinst du den Keramikfrosch? Der steht schon seit ich denken kann vor der Tür.“
„Also erst seit kurzem …“, gab Hardi leise von sich und flog lachend und grinsend langsam in Richtung des großen Bettes, wo er sich auf den Boden legte und ausstreckte.
„Hm …. Und wos is des für a Schlissl, der do in seina Krone liegt?“, fragte Holle ungläubig.
Rapunzel wurde hellhörig und lief zur Tür. Sie presste ihr Ohr dagegen. „Was hast du gesagt?!“
„Njo, do is so a großa Schlissl.“, sagte Holle wieder.

„WAS?“ Der Schrei Rapunzels lies selbst Hardi zusammenzucken. Plötzlich fing sie wie an
wild durch das enge Türmchen zu hüpfen, zu kreischen und mit den Armen zu fuchteln.
„Mach auf mach auf mach auf!“, rief Rapunzel, sprang nun vor der Tür hin und her.
„Jojo – stress net.“
Mit einem langen Gähner drückte Wetterfee Holle den schweren Schlüssel ins Schloss – und mit einem Knacken sprang die Holztür auf.
Rapunzel rannte Holle um den Haufen, den kleinen Hügel hinab und umarmte den erstbesten Baum den sie zwischen ihre Finger bekommen konnte.
„Rapunzel, Rapunzel – was machst du da?“, fragte der Zauberteppich Hardi und flatterte gemütlich durch die Tür, vorbei an der raunzenden Holle.
„Ich will nie wieder in diesen scheiß Turm!“, schrie Rapunzel und umklammerte ganz fest einen niedrig hängenden Ast des Baumes. Sie lies jedoch sofort los als ihr folgende Erkenntnis durch den Kopf schoss: „hier ist ja alles dreckig!“
Angewidert nahm sie vom Laubbaum Abstand und wischte sich die Hände an ihrem schönen hellroten Kleid ab.
„Ja, das ist ganz normal an der Natur, Rapunzel.“, versuchte Hardi zu beschwichtigen und bot sich als Handtuch an.
„So – äh, was mach ma nun?“
Beide sahen sich ratlos um, dann fiel ihnen die Wetterfee wieder ein. Ein kurzer Blick durch die noch offene Turmtür verriet, dass Holle bereits die Bequemlichkeiten eines irdischen Bettes bemerkt hatte und tief und fest schlummerte.
„Hm – die bekommen wir so schnell net mehr wach.“, seufze Rapunzel.
„Ya damn right“, grinste Hardi und wandte sich dem Wald zu, dessen Baumwipfel im Licht der untergehenden Sonne rot glänzten. „Wir sollten uns auf den Weg machen, hier treiben sich keine freundlichen Gestalten zu dieser Zeit rum.“
So ging das Duo los, ohne Ziel und überhaupt ohne Plan, nur mit dem Wissen, dass sie besser nicht nachts im Wald rumstromern sollten …

 

„Ich wusste garnich’, wie witzig das Wort „Wodka“ ist …“, lallte Dr. Freud.
Lachend lag er am Boden seines Behandlungszimmers, wo er sich seitdem er vor 20 Minuten von der Couch gefallen war, nicht unwohl gefühlt.
„Aber „Gabel“ is noch viiieeeel komischer!“, grinste auch Schneeflittchen, die bereits einen Bierkrug als Glas benutzte.
„Weissss du … ich bin eigentlich gar kein Doktor.“, gestand Dr. Freud plötzlich und versuchte sich aufzurichten, woran er aber kläglich scheiterte.
„Was bist’n dann?“
„Ich bin ein – äh, ein A – B … Äh … gute Frage. Vielleicht sollt ich meine Mammma fragen was ich bin.“
„Gute Idee! Ich sollt meine Mama auch mal wieder fragen, was ich bin.“
Schneeflittchen glitt vom Schreibtisch, auf dem sie bis vor kurzem noch gesessen hatte, und wankte zur Tür. Mit den Worten „Muss noch die Patienten für meine Tabletten dosieren - in meiner Klinik dosieren muss ich die Tabletts.“ verlies sie die Praxis und machte sich auch auf den Weg zur Irrenanstalt.

 

Fortsetzung folgt ...