Nun, total unvorhersehbarer Weise sind sowohl Rapunzel und Hardi, als auch Dumm und Doof und Schneeflittchen im Wald und wandern umher; Dumm und Doof haben sowieso keine Orientierung und setzen auf ihr Glück, einen Unterschlupf zu finden, Rapunzel und Hardi kennen sich Nüsse aus und folgen einfach dem Feldweg den sie zufällig gefunden haben und Schneeflittchen begrüßt in ihrem Suff die Bäume beim Vorbeigehen und ärgert sich, wenn diese nicht zurückgrüßen.
So kommt es, dass der Feldweg durch eine Lichtung im Wald führt, und auf dieser Lichtung steht ein Haus. Ein uns natürlich sehr bekanntes Haus; Toves Haus.

 

„Ob wir hier nach dem Weg fragen sollten? Oder um Obdach bitten sollten?“, fragte Rapunzel vorsichtig und trat ein wenig näher.
„Hm, klar, könnten wir natürlich tun.“, meinte Hardi und flog gradewegs auf den Eingang zu.
Die Türglocke hallte in allen Zimmern des Hauses wider, man konnte sehen, wie Licht anging und das Knarren der Holzdielen verriet, dass sich jemand auf den Weg zur Tür machte.
„Ja bitte?“, raunzte Großmütterchen Tove als er nach draußen spähte.
„Äh, entschuldigen Sie die Störung aber wir suchen ganz dringend eine Behausung für die Nacht, wir sind im Grunde nämlich nicht von hier und kennen uns nicht aus und vielleicht gibt es hier Wölfe und wir würden von ihnen gefressen werden wenn wir draußen schlafen würden oder ich würde mir eine Nebenhöhlenentzündung zuziehen und ich habe doch ein äußerst schwaches Immunsystem was schrecklich für meinen Teppich hier wäre – im Grunde ist er ja kein richtiger Teppich, er ist wohl ein Mischling da er reden kann. Vielleicht hatte seine Mutter seltsame Fetische und -“, begann Rapunzel und holte dabei erschreckend selten Luft. Tove unterbrach sie leicht verwirrt.
„Ah ja ja – ja. Von mir aus, nur bitte reden Sie nicht mehr, das hält ja der stärkste Bär mit einem tauben Ohr nicht aus!“
Tove trat aus der Schwelle und lies Rapunzel und Hardi durch die Tür ins Vorzimmer schreiten.
„Ihr könnt auf der Couch schlafen, und genug Fußboden für den Teppich hab ich auch – wehe ihr schaut mir in den Keller!“, nuschelte Tove und machte sich sofort auf den Weg in den ersten Stock, um seinen Schlaf fortzusetzen.
„Ähm“, begann Rapunzel zögerlich als der Hausherr gegangen war. „Ob das eine gute Idee war?“
„Klar doch, besser als im Wald zu schlafen allemal. Endlich hat es sich ausgezahlt dass du ne Quasselstrippe bist“, lachte Hardi schelmisch und lies sich auf die hohe Lehne der Couch fallen.


Einige Zeit verging, hin und wieder hörte man von draußen durch den Wind die Bäume rascheln, doch ansonsten war es sehr still. Dann pochte es erneut an der Tür.


„Ja bitte wer stört meinen Schönheitsschlaf?“, raunzte Tove, noch unverständlicher als vorhin bei Rapunzel und Hardi.
„Eh Altaaaaa!“, schrie Dumm und preschte gleichmal ins Vorzimmer. „Wir können ja gaaarantiert bei dir Pennen odaaaa?“
„Ey besten Dank du Spast“, sagte auch Doof in einem seltsamen Ghetto-Dialekt während er zuckend mit den Armen herumfuchtelte.
Tove, müde wie er war, lies einfach die Sache gut sein und murmelte noch „Couch schlafen, nicht Keller“, dann ging er wieder nach oben.
Dumm und Doof legten sich auf die andere Couch in Großmütterchen Toves Wohnzimmer und schliefen fast sofort ein.

 

Erneut Stille. Und diesmal sehr lange Stille. Es versprach, eine ruhige Nacht zu werden, doch – eine Person fehlt natürlich noch …

 

Etwas schlug hart auf Holz – das Geräusch hallte im ganzen Wald wider. Misstrauisch ging Großmütterchen Tove wieder ins Erdgeschoss, nach links um die Ecke und öffnete zum dritten Mal die große Eingangstür. Niemand war zu sehen. Er dachte sich schon „das war vielleicht ein Streich dieser dummen Nachbarskinder Hänsel und Gretel“ doch da fiel sein Blick nach unten, wo Schneeflittchen regungslos lag.
„Oh Kindchen, was ist denn mit dir geschehen?“, fragte Tove besorgt und hievte seine Enkelin hoch. Sofort kam ihm ihr hauptsächlich nach Wodka riechender Atem entgegen und die Sache war klar.
Tove ging mit dem schnarchenden Schneeflittchen auf seinen Armen nach oben und legte sie in ihr altes Kinderzimmer. Ihre Füße standen zwar locker einen halben Meter am Bettende hervor, doch vom Schlafentzug und den ewigen Störungen geplagt ging Großmütterchen Tove zurück in sein Schlafzimmer und haute sich auf seine Matratze. Mit dem Gedanken, dass kaum noch mehr Leute im Wald auf der Suche nach einem Schlafplatz umherirren könnten schlief er ein.

 

Fortsetzung folgt ...